Samstag, 10. Oktober 2026

Die Ballade von Ronan McCoy [Rezensionsexemplar]

Brendan und Ronan sind beste Freunde. Sie sind 16 und gerade im Begriff ihr letztes Schuljahr vor dem College zu starten. Nur taucht Ronan nach den Sommerferien nicht wie gewohnt am Schultor auf. Er hatte einen schrecklichen Unfall in einem Gerstenfeld, der sein Gehirn verletzt und ihn an den Rollstuhl gefesselt hat. Die genauen Umstände dazu sind unklar, doch Brendan will sich die vielen Gerüchte dazu nicht anhören und viel lieber die Wahrheit aus Ronans eigenen Mund erfahren. Gemeinsam mit dessen Eltern versuchen sie sich auf die neue Situation einzustellen, ihm wieder das Sprechen beizubringen und zu Lernen, was Ronan nun braucht. Zuerst scheint auch alles bergauf zu gehen, doch zwischen Nebenjob, erster Liebe, Abschlussprüfungen und Führerschein, zwängt sich ein Schicksalsschlag, der Brendans Welt für immer auf den Kopf stellt.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal beim Lesen eines Buches so sehr geweint hab wie hier. Die poetische und emotionale Erzählweise zieht einen sofort in seinen Bann und Colin Morgan schreibt über Trauer und Verlust so tiefgründig und wahrheitsgemäß, dass man nicht umhin kann zu glauben, dass er durch jeden einzelnen Schmerz selbst gegangen ist. Mit dem Hauptcharakter Brendan, konnte ich mich von Anfang an sehr gut identifizieren. Seine melancholische, introvertiere Art, sein Blick auf die Welt und sein Umgang mit Menschen. Sein Nebenjob im Bestattungsinstitut hat einen interessanten Einblick in das Berufsfeld verschafft. Besonders rührend fand ich es, wie Brendan sich nach dem Unfall um Ronan gekümmert hat, allen voran der Museumsbesuch und die "Kumpelzeit" und wie er gleichzeitig versucht hat die Erwartungen anderer an ihn zu erfüllen. Einerseits ist von einem Tag auf den anderen nichts mehr wie es vorher war. Für Ronan scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, während andererseits für Brendan alles einfach unaufhaltsam in rasanter Geschwindigkeit weiterläuft. Er ist hin und hergerissen zwischen Hoffnung, Schuld, der Vergangenheit und Zukunft und fragt sich, ob er seinen besten Freund verrät, wenn er einfach weiterlebt. Die Machtlosigkeit, Angst und Unsicherheit, die mit all dem verbunden ist, lies sich auf jeder Seite erkennen. Ebenso die verschiedenen Phasen der Trauer und der Versuch der Bewältigung dieser. Selten hat man einen Roman vor sich, der so sehr berührt, so sehr schmerzt und gleichzeitig so unglaublich schön ist. 
Etwas schade fand ich es, dass man am Ende nichts genaueres über den Unfall und den Inhalt der Zeitkapsel erfährt, aber da soll sich wohl jeder selbst ein Bild davon machen.
Eine klare Empfehlung für jeden, der gerade durch eine schwere Zeit geht oder einen geliebten Menschen verloren hat. Mich wird dieses Buch noch eine sehr sehr lange Zeit begleiten.



        

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