Dienstag, 12. Mai 2026

John of John [Rezensionsexemplar]

 "John of John" ist der mittlerweile dritte Roman, den ich vom schottischen Autor Douglas Stuart lesen durfte und wie die ersten beiden, landet auch dieser ganz weit vorne in meiner Favoritenliste. Bereits mit seinem Debüt "Shuggie Bain" erhielt Stuart 2020 den britischen Booker Prize und auch sein neustes Werk hätte alle Auszeichnungen verdient.

Der 22-jährige John-Calum "Cal" MacLeod ist für ein Textilstudium nach Edinburgh gereist, wo er aber ohne Geld und Wohnung schnell Schulden anhäuft. Als eines Tages sein Vater John am Telefon davon erzählt, dass es seiner Großmutter Ella sehr schlecht zu gehen scheint, fühlt Cal sich verpflichtet sich um sie zu kümmern und reist zurück an seinen Geburtsort, der Insel Falabay im Nordwesten Schottlands.
Hier besitzen sie ein Croft, züchten Schafe und weben Harris-Tweed. 
Cal ist nicht besonders begeistert zur Inselgemeinschaft von Calvinisten zurückzukehren, wo jeder jeden kennt und strenge Bibeltreue gelebt und gepredigt wird. Sein gefühlskalter Vater, der getrennt von seiner Frau lebt, weiß nichts davon, dass Cal schwul ist und seine langen gefärbten Haare, engen Hosen und Verhaltensweisen sind ihm stets ein Dorn im Auge. Zum Glück hat er wenigstens Verbündete in Doll, dem Jungen mit dem er erste sexuelle Erfahrungen gesammelt hat und Innes, ihrem Nachbarn und Johns bestem und einzigen Freund. 
Je mehr Zeit er mit Innes verbringt, desto stärker werden seine Gefühle für ihn, doch wieso will dieser sich nicht auf Cal einlassen und welches Geheimnis hütet sein Vater seit Langem? 

Was diesen Roman so interessant macht, sind in erster Linie die zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Kontrast stehen hier Vater und Sohn, die beide eine innige Liebe zueinander verbindet, die aber aufgrund der Geheimnisse, die jeder mit sich trägt oft von ungewollter Härte und Unverständnis geprägt ist. John ist hin und her gerissen zwischen seinem starken Glauben, den Traditionen der Insel und seinem eigenen tiefen Begehren nach einem Partner und Akzeptanz. Zerfressen von Schuld und Sühne, wirkt er abgestumpft, herzlos und unnachgiebig. Seine Wutausbrüche sind ein Resultat seiner unterdrückten Gefühle und seiner Machtlosigkeit. Weil er sich nicht traut sich gegen Konventionen aufzulehnen und den ersten Schritt in Richtung eines selbstbestimmten und glücklichen Lebens zu machen, zerstört er fast seine ganze Familie. Das sein Geheimnis sich dabei in keinster Weise von dem seinen Sohnes unterscheidet und sich Vater und Sohn ähnlicher sind als gedacht, wird ihm dabei erst bewusst, als es beinahe zu spät ist.

Douglas Stuarts bildgewaltige Erzählkunst, lässt uns tief eintauchen in die bezaubernde schottische Landschaft und die verschiedenen Persönlichkeiten und ihren Motivationen. Hier wirkt nichts fehl am Platz und der Leser kann gar nicht anders, als sich mit mindestens einem davon zu identifizieren und mitzufiebern.
Mich hat vor allem Cals Leben darum so sehr bewegt, weil ich mich in seine Sorgen und Ängste gut hineinversetzen konnte. Auch fand ich es sehr stimmig, dass das Buch nicht wirklich ein Happy End hat, sondern mit seinem offenen Ende viel Platz für eigene Interpretationen lässt. Viele Schicksale der Inselbewohner haben mich zutiefst bewegt und mit einer Trauer im Herzen zurückgelassen, die sich gar nicht richtig in Worte fassen lässt und die mich noch lange begleiten wird.
Vielleicht kann man abschließend sagen, dass vor allem das Verzeihen in diesem Werk eine tragende Rolle spielt. 
        

Donnerstag, 16. April 2026

Darkly [Rezensionsexemplar]

 Zunächst einmal ein großes Lob an Casey Moses für das wirklich gelungene Cover. Fantastisch! Lässt auf Geheimnisvolles hoffen.
Die Geschichte wird aus der Sicht der 17-jährigen Dia erzählt, die sich mit tausend anderen Bewerber für ein Praktikum an der Louisiana Veda Stiftung beworben hat. Sie und 6 andere Jugendliche werden angenommen.
Gemeinsam sollen sie an einem Spiel teilnehmen - kein gewöhnliches Brettspiel, sondern ein reales Spiel mit Schauspielern. Geheime Türen, Zimmer in verschiedenen Farben, Gefahren, Intrigen. Auch die Praktikanten untereinander trauen sich nicht über den Weg.

Ich persönlich finde es für einen Thriller etwas fad. Aber da die Zielgruppe wohl in erster Linie Jugendliche sind, kann ich darüber hinwegsehen. Es ist ja an sich spannend erzählt und auch eine kleine Romanze ist eingebaut. Trotzdem habe ich mir aufgrund der Aufmachung und der Leseprobe etwas mehr erwartet und diese Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

Samstag, 14. März 2026

Giftiger Grund [Rezensionsexemplar]

In "Giftiger Grund" von Thomas Knüwer geht es um die drei Personen Joran, Edda und Charu. Aus verschiedenen Gründen zieht sie etwas zu einer verlassenen Tankstelle hin. Was wollen sie da? Welche Geheimnisse haben sie?
Als eine Leiche gefunden wird, stellt sich die Frage, was wohl passiert ist und es gibt noch zahlreiche andere offene Fragen.

Ich finde das Buch insgesamt echt gut. Es kommt ohne viel Übertreibung aus und ist lebhaft und anschaulich erzählt ohne den Fokus zu sehr auf das Brutale oder Sensationslüsterne zu legen. Es ist außerdem leicht verständlich geschrieben, baut trotzdem einiges an Spannung auf, bezieht sich auf das Wesentliche und ist nicht künstlich in die Länge gezogen, was ich sehr angenehm fand. Gerne würde ich noch mehr vom Autor lesen, weshalb ich mir als nächstes "Das Haus in dem Gudella stirbt" anschauen werde, mit dem Knüwer 2024 auch den Deutschen Krimi Preis gewonnen hat. Das spricht ja für sich. 
        

Mittwoch, 28. Januar 2026

Das Signal [Rezensionsexemplar]

 In "Das Signal" von Ursula Poznanski geht es um Viola, die bei einem Unfall in einem eingestürzten Weinkeller ein Bein verliert. Ihr Ehemann Adam kümmert sich liebevoll um sie und stellt sogar eine Pflegerin names Otilia ein, die aber alles andere als freundlich zu sein scheint. Nach und nach bemerkt Viola, dass die vermeintliche Fürsorge Adams wohl nicht ganz ernst gemeint ist und sie beginnt heimlich ihm und einigen anderen Personen Mini-Tracker unterzujubeln und ihre Bewegungen auf ihrem Smartphone mitzuverfolgen. So erkennt sie schnell, dass ihr Ehemann sie über seinen Tagesablauf belügt und während sie mit Rollstuhl und Krücken versucht sich wieder zurück ins Leben zu kämpfen, macht sie es sich auch zur Aufgabe Adams Geheimnis zu lüften bevor dieser ihr eigenes herausfindet.

Nachdem ich bereits "Die Burg" und "Elanus" von der Autorin gelesen und für fabelhaft befunden habe (hier geht es um KI und Drohnen), wusste ich, dass mir auch "Das Signal" zusagen würde und genauso war es dann auch.
Ich liebe es, wie Poznanski ihre Thriller quasi mit moderner Technik ausstattet. Wieder einmal erwartet uns einiges an Spannung und obwohl sich der "Plot-Twist" für mich diesmal schon ab der Hälfte des Buches abgezeichnet hat, fand ich es dennoch schwer es aus der Hand zu legen. Mit Viola haben wir eine sehr starke Frau als Hauptcharakter, die sich durch nichts unterkriegen lässt und clever und besonnen für ihre Ziele kämpft. Das beklemmende Gefühl in diesem abgeschiedenen Haus am Waldrand durch die Folgen des Unfalls gefesselt und gleichzeitig der immer näher rückenden drohenden Gefahr schutzlos ausgeliefert zu sein, hat sich mir beim Lesen immer wieder aufgezwängt.
Klare Kaufempfehlung für Fans des Genres.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Firewatch [Rezensionsexemplar]

In "Firewatch" vom österreichischen Bestseller-Autor Colin Hadler, geht es um Robin, der den Mord an seinen besten Freund Aaron auf eigene Faust aufklären will, nachdem die Polizei nach 10 Monaten die Ermittlungen daran ohne nennenswerte Hinweise einstellt. Aaron verschwand bei einem Ferienjob in einem Nationalpark, indem er als einer von zwei Männern die "Firewatch" übernahm, unter mysteriösen Umständen. Bis auf eine Blutspur im Wald konnte nichts gefunden werden. Robin ist sich sicher, dass Kian, der im zweiten Tower arbeitete und als letzter mit Aaron Kontakt hatte, für sein Verschwinden verantwortlich ist und plant kurzerhand diesen zu daten, um an die nötigen Beweise dafür zu kommen. Ein gefährliches Katz und Maus Spiel beginnt.

Dieser Thriller lässt einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren. Je näher sich Robin und Kian kommen, je mehr Details der Wahrheit ans Licht treten, desto angespannter fühlt man sich als Leser. Hat Kian wirklich etwas mit dem Mord zu tun? Was ist sein Motiv? Wieso verheimlicht und lügt er so viel? Hier ist wirklich niemand, wer er zu sein scheint und zwischen Geheimnissen und falschen Fährten ertappt man sich immer wieder dabei wie man zwischen Kians Schuld und Unschuld hin und herspringt und auf jeder Seite einen anderen Verdächtigen im Visier hat.
Für mich ein absoluter Page-Turner, wie auch bereits "Seven Ways to tell a lie".
Besonders positiv heben sich hier für mich auch die tiefgründigen Charaktere hervor, die glaubwürdig handeln und von Wünschen und Ängsten getrieben werden. Allen voran der sympathische Hauptcharakter. Der Plot Twist ist nicht gleich durchschaubar und durchaus realistisch und die Beziehungen zwischen den Figuren sind komplex und authentisch. Ein absolutes Muss für alle Thriller Fans, die auf Spannung von der ersten bis zur letzten Seite, Herzrasen und schweißnasse Hände stehen.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Belladonnas [Rezensionsexemplar]

In Liann Zhangs' "Belladonnas" geht es um die Zwillinge Julie und Chloe, deren Eltern bei einem Umfall ums Leben kommen. 
Chloe wird von wohlhabenden Leuten adoptiert und lebt in Luxus. Sie ist eine berühmte Influencerin und hat Millionen von Followern.
Julie ist bei ihrer Tante aufgewachsen und arbeitet als Kassiererin in einem Supermarkt. Sie folgt ihrer Schwester auf Social Media. Eines Tages erhält sie einen Anruf von dieser, danach findet sie Chloe tot in ihrer Wohnung.
Sie ergreift die Chance und schlüpft in die Rolle ihrer Schwester.

Hätte ich eine Zwillingsschwester und könnte ich mit ihr ab und zu mal die Rollen tauschen, wäre das in der Tat sehr verlockend. Die Erlebnisse mit den Belladonnas auf der Insel weichen für mich doch schon sehr vom Genre "Thriller" ab. Trotzdem ist es unterhaltsam, manchmal flackert ein wenig Spannung auf und man hofft, dass es endlich interessant wird, aber es endet dann doch wieder in einer Flaute. Vielleicht mag die Handlung dem ein oder anderem gefallen, aber für mich war es leider eher nichts.

        

Dienstag, 4. November 2025

Joshua Jackelby [Rezensionsexemplar]

In Benedict Mirows Abenteuerroman "Joshua Jackelby" geht es um einen Zeitungsjungen aus ärmlichen Verhältnissen, der sich mit seinen beiden Freunden Leroy und Charlotte und seiner Hündin Hazel durch das viktorianische London schlägt. Als sie eines Abends einen verletzten Mann auf der Straße finden, dem seine bahnbrechende Erfindung gestohlen wurde, geraten sie in ein Komplott, dass schon bald lebensgefährlich für die Freunde wird.

Diese Geschichte bietet wirklich alles, was man sich nur wünschen kann. Ich war sehr positiv überrascht von den genauen Beschreibungen der Orte, den interessanten und vielschichtigen Charakteren und dem spannenden Plot. Auch die eingebaute Gesellschaftskritik ist zum Glück nicht zu stark präsent, aber dennoch greifbar und nachvollziehbar. Vor allem die Geschwister und die Zirkusleute bringen viel frischen Wind in die Erzählung und mit dem Arzt und dem Professor hat man den direkten Vergleich zwischen der armen und reichen Bevölkerung. Die Antagonisten haben Gründe für ihr Handeln, auch wenn diese meiner Meinung nach leider etwas zu kurz kamen und das Ende etwas gehetzt wirkte. Dennoch fühlte ich mich auf den rund 400 Seiten überaus gut unterhalten und hoffe wir dürfen eventuell bald wieder von Joshua & Co. lesen.