James ist 16, hat einen 5-jährigen Bruder namens Eddie, der unter Krampfanfällen leidet und fühlt sich in seinem Heimatdorf Thornmere gefangen. Eines Morgens trifft er auf seiner täglichen Milchrunde den 1 Jahr älteren James, der von seinen verkrachten Eltern aufs Land geschickt wurde.
Seine Mutter hat einen neuen Liebhaber in Italien gefunden, während sein Vater im Knast sitzt. Schnell verliebt sich James Hals über Kopf in den schönen Luke, aber er weiß, dass dieser nicht für immer in Thornmere bleiben wird. Und beruhen seine Gefühle überhaupt auf Gegenseitigkeit?
Dieses Buch lässt sich meiner Meinung nach sehr schwer in Worte fassen. Es hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen und das liegt nicht nur an Seán Hewitts unglaublich poetischen und emotionalen Schreibstil, sondern hauptsächlich an den Hauptcharakteren James und Luke, deren gemeinsames Jahr mich zutiefst berührt hat.
James wildes und unbändiges Begehren nach Luke war fast greifbar. Ich konnte mich sehr gut in seine Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste hineinversetzen und mich mit ihm identifizieren. Diese rein zufällige Begegnung mit Luke, die sein Leben für immer verändert hat, ihn blind und taub gemacht hat für jede Art von wahrer Liebe und einen Ort, den er Heimat nennen kann. Es waren die kleinen, stillen und verletzlichen Momente, das Zeigen von Schwäche, die James so menschlich und nahbar gemacht haben. Selten hat es ein Protagonist geschafft, mich so sehr zu Tränen zu rühren und sich so fest in meinem Herzen zu verankern. Hewitts tragischen Helden werde ich nie vergessen.
Donnerstag, 28. August 2025
Öffnet sich der Himmel [Rezensionsexemplar]
Samstag, 16. August 2025
Einfach Literatur [Rezensionsexemplar]
Von Klaus Willbrand habe ich zum ersten Mal tatsächlich auf Instagram erfahren. Beim Browsen bin ich vor ca. einem Jahr auf den Account seines Antiquariats gestoßen und habe mir mit großem Interesse alle seine Videos auf dem Kanal angesehen. Ich war so begeistert davon, was er und Daria Razumovych da auf die Beine gestellt haben und wie viel Wissen, Sympathie und Liebe zur Literatur hier ausgestrahlt wurde. Das hat mich sofort in den Bann gezogen.
Umso trauriger war ich dann im Januar, als ich von seinem Tod erfahren habe. Deswegen war von vornherein klar für mich, dass dieses Buch hier einfach zur Pflichtlektüre gehören muss und ich wurde nicht enttäuscht.
Nicht nur Klaus' Lebensgeschichte von der Kindheit an und sein beruflicher Werdegang bis hin zur Gegenwart, sondern auch die vielen hochinteressanten Begegnungen mit den verschiedensten Autoren, Verlegern und Politikern waren wirklich spannend und informativ.
Viele der von ihm vorgestellten deutsch-, englisch- und französischsprachigen Autoren und Autorinnen sind wohl den meisten Bücherfreunden zumindest ein Begriff, aber man findet durchaus auch unbekanntere Schätze. Seine Erzählungen regen unwahrscheinlich zum Lesen an und man will sich eigentlich sofort auf seinen nächsten Brinkmann oder Proust stürzen. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, dass ich mir Notizen zu Autoren oder Werken gemacht habe, mit denen ich mich nach Klaus' Buch weiter beschäftigen wollte. Seine Leseliste am Ende werde ich definitiv im Auge behalten. Herzlichen Dank an Klaus und Daria dafür, dass ihr den Menschen in der heutigen chaotischen und unkultivierten Zeit das Lesen wieder etwas näher bringt.
Dienstag, 12. August 2025
ASA [Rezensionsexemplar]
Asa wächst in der Ortschaft Thule auf. Im Alter von 8/9 Jahren streift sie mit ihrem Vater durch die Wälder, wo er ihr alles beibringt, was man zum Überleben braucht. Er bereitet sie auf eine Prüfung vor, lässt Asa aber im Unklaren darüber warum. Doch nicht nur diese Prüfung muss sie bestehen, das Leben hält noch viele Intrigen und Überraschungen für sie bereit.
In Rückblenden erfährt man, wie Asas Urahnen lebten und was es mit dem Ursprung der Prüfungen auf sich hat.
Ich fand das Buch wirklich bis zum Ende hin sehr spannend. Die ersten 100-150 Seiten sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man dann mal mit den Charakteren und der Welt vertraut ist, lesen sich die 700 Seiten wie von selbst. Es hat mich ein wenig an "Die Tribute von Panem" erinnert. Asa versucht immer human zu bleiben, doch wird immer wieder genötigt von der Beute zum Jäger zu werden.
Der Urgedanke der Prüfungen ist durchaus nachvollziehbar, doch was schlussendlich daraus geworden ist und was es aus den Personen gemacht hat, die die Prüfung bestanden haben, macht den Roman zu einem Thriller. Eine düstere Familiensaga, die meines Erachtens die 5 Sterne mehr als verdient hat.
Montag, 4. August 2025
Deckname BIRD [Rezensionsexemplar]
In Louise Doughty's "BIRD" geht es um eine Agentin Namens Heather Berriman, die Hals über Kopf aus ihrem alten Leben flüchten muss. Jemand hat versucht ihr etwas anzuhängen und sie weiß deshalb nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen kann. Da sie als Geheimagentin immer mit sowas rechnen muss, hat sie ihre Flucht schon geplant und einen Koffer mit gefälschten Papieren und Kleidung versteckt, um bei Bedarf in verschiedene Rollen zu schlüpfen.
Der Anfang des Buches ist wirklich spannend. Danach wird in Rückblenden über Heathers Leben als Kind und über die Zeit bevor sie zur Spionin wurde erzählt. Dies wiederum fand ich persönlich für viel zu langatmig. Die Spannung ging komplett verloren und auch das Ende hatte ich mir anders vorgestellt. So blieb der Thriller, den man eigentlich nicht als solchen bezeichnen kann, leider weit hinter meinen ursprünglichen Erwartungen zurück.
Freitag, 1. August 2025
Immerland - Die Stadt der Ewigkeit [Rezensionsexemplar]
Mika ist fast 13 und in der Schule ein Außenseiter. Als er die Sommerferien bei seiner Oma auf dem Land verbringen soll, fernab von Konsolen und Handyempfang, ist er nicht gerade begeistert. Schnell jedoch werden die ereignislosen Tage durch mehr Action ersetzt, als Mika lieb ist. Seine Oma hat einen Unfall und als er versucht sie zu retten, landet er in einer fremden, surrealen Welt. Hier erfüllen sich Wünsche, alles scheint möglich und Mika findet sogar drei neue Freunde. Allerdings trügt der Schein und die Rückkehr in seine Welt stellt sich als schwieriger heraus als gedacht.
Das Cover und die schönen Illustrationen in dem Buch machen die ganze Geschichte greifbarer, was mir sehr gefallen hat. Allerdings muss ich sagen, dass mich die Handlung nicht wirklich abgeholt hat. Anfangs hatte es noch Potenzial, aber spätestens als Mika in der Immerwelt landet ist alles nur noch bunt zusammengewürfeltes Chaos ohne jegliche Bedeutung und ohne Ziel. Die Charaktere sind ziemlich eindimensional und selbst die durchaus interessanten Themen wie Zukunftsängste, Unsterblichkeit, Erwachsenwerden und Ängste werden nur sehr kurz angedeutet und nicht weiter vertieft oder ausgeschmückt, was durchaus schade ist, auch wenn es eher für ein jüngeres Publikum gedacht ist. Zum Ende hin habe ich mich nur noch durchgequält und gelangweilt. Allerdings mag es für Kinder durchaus seinen Reiz haben, daher 3 Sterne von mir.
