Sonntag, 21. Dezember 2025

Belladonnas [Rezensionsexemplar]

In Liann Zhangs' "Belladonnas" geht es um die Zwillinge Julie und Chloe, deren Eltern bei einem Umfall ums Leben kommen. 
Chloe wird von wohlhabenden Leuten adoptiert und lebt in Luxus. Sie ist eine berühmte Influencerin und hat Millionen von Followern.
Julie ist bei ihrer Tante aufgewachsen und arbeitet als Kassiererin in einem Supermarkt. Sie folgt ihrer Schwester auf Social Media. Eines Tages erhält sie einen Anruf von dieser, danach findet sie Chloe tot in ihrer Wohnung.
Sie ergreift die Chance und schlüpft in die Rolle ihrer Schwester.

Hätte ich eine Zwillingsschwester und könnte ich mit ihr ab und zu mal die Rollen tauschen, wäre das in der Tat sehr verlockend. Die Erlebnisse mit den Belladonnas auf der Insel weichen für mich doch schon sehr vom Genre "Thriller" ab. Trotzdem ist es unterhaltsam, manchmal flackert ein wenig Spannung auf und man hofft, dass es endlich interessant wird, aber es endet dann doch wieder in einer Flaute. Vielleicht mag die Handlung dem ein oder anderem gefallen, aber für mich war es leider eher nichts.

        

Dienstag, 4. November 2025

Joshua Jackelby [Rezensionsexemplar]

In Benedict Mirows Abenteuerroman "Joshua Jackelby" geht es um einen Zeitungsjungen aus ärmlichen Verhältnissen, der sich mit seinen beiden Freunden Leroy und Charlotte und seiner Hündin Hazel durch das viktorianische London schlägt. Als sie eines Abends einen verletzten Mann auf der Straße finden, dem seine bahnbrechende Erfindung gestohlen wurde, geraten sie in ein Komplott, dass schon bald lebensgefährlich für die Freunde wird.

Diese Geschichte bietet wirklich alles, was man sich nur wünschen kann. Ich war sehr positiv überrascht von den genauen Beschreibungen der Orte, den interessanten und vielschichtigen Charakteren und dem spannenden Plot. Auch die eingebaute Gesellschaftskritik ist zum Glück nicht zu stark präsent, aber dennoch greifbar und nachvollziehbar. Vor allem die Geschwister und die Zirkusleute bringen viel frischen Wind in die Erzählung und mit dem Arzt und dem Professor hat man den direkten Vergleich zwischen der armen und reichen Bevölkerung. Die Antagonisten haben Gründe für ihr Handeln, auch wenn diese meiner Meinung nach leider etwas zu kurz kamen und das Ende etwas gehetzt wirkte. Dennoch fühlte ich mich auf den rund 400 Seiten überaus gut unterhalten und hoffe wir dürfen eventuell bald wieder von Joshua & Co. lesen.
        

Montag, 3. November 2025

Düsteres Tal [Rezensionsexemplar]

In "Düsteres Tal" von Ruth Lillegraven geht es um Clara Lofthus, die mit ihrem Lebensgefährten Axel und ihren Zwillingssöhnen in Nairobi wohnt. 
Sie unterrichtet dort Kinder. Als es an der Schule einen Terroranschlag gibt, wird Clara zur Heldin. Da die Schule zerstört wird, zieht sie in ihre alte Heimat nach Oslo zurück. Dort wird ihr ein Posten als Justizministerin angeboten. Kurz darauf taucht eine Leiche auf und Clara wird mit einem dunklen Geheimnis aus ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Ja, der Roman ist spannend und glücklicherweise auch nicht künstlich in die Länge gezogen. Es geschehen immer wieder neue Morde, neue Details kommen ans Licht und man wird als Leser animiert weiterzulesen. Die Handlung macht einen durchaus neugierig, ist jedoch nichts weltbewegendes. Der Schreibstil ist flüssig und man kommt gut voran. Alles in allem eine solide Leseerfahrung mit kleinen Schwächen.
        

Dienstag, 23. September 2025

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten [Rezensionsexemplar]

 In diesem wunderschönen Jugendbuch des italienischen Autors Davide Morosinotto begleiten wir die 14-jährige Greta und ihren Vater, einen angesehenen Ermittler.
Die Handlung spielt im Nürnberg des Jahres 1829 und wir lernen den jungen Kaspar Hauser kennen, der dort vor einiger Zeit unter mysteriösen Umständen aufgetaucht ist und nun augenscheinlich bedroht wird. Dr. Grimaldi und Greta wollen herausfinden, wer dem Jungen etwas antun wollen könnte und welche Geheimnisse er verbirgt. Hauptsächlich aber wollen sie sein Leben schützen. Während ihrer Zeit in Nürnberg lernen sie einige andere interessante Leute in Verbindung mit Kaspar kennen und müssen bald feststellen, dass nicht alles so ist wie es scheint und nicht jeder zwingend die Wahrheit sagt.

Der Autor vermischt in seinem Roman Fakt und Fiktion, was auch für Kenner von Kaspar Hausers Geschichte Spannung aufbaut. Ich verfolge diese historische Person schon seit meiner Schulzeit, die nun schon mehr als 20 Jahre zurückliegt. Nürnberg ist nur eine Stunde von meinem Heimatort entfernt und ich halte mich dort oft auf, was für mich gleich eine noch tiefere Verbindung zu der Thematik hergestellt hat. Die Stadt wird ausführlich und akkurat beschrieben, die Charaktere gefallen mir alle sehr gut, vor allem Oskar und obwohl das Ende nicht alle Fragen beantwortet, fand ich es doch sehr interessant die Interpretation des Autors zu dem Fall zu lesen, auch wenn meine eine etwas andere ist. Durchaus eine Kaufempfehlung für alle, die gerne historische Krimis mögen.

Die Einladung [Rezensionsexemplar]

 Die reiche Jane Ireland lädt zu einer Party ein, der Kleidungsstil soll dabei dem der 1920er Jahre entsprechen. Unter den Gästen ist auch die 76-jährige Rosemary, genannt Mimi, ihre Enkelin Addie und 6 weitere Besucher. Jeder von Ihnen hat ein Geheimnis. Auch ein Klavierspieler, der Schwiegersohn der Gastgeberin, der Koch und die Haushälterin befinden sich im Haus.
Während der Feierlichkeiten wird plötzlich Jane ermordet und es wird schnell klar, dass der Täter nur einer der Anwesenden sein kann. Aber wer nur?

Ich finde der Krimi ist leich verständlich geschrieben und wäre auch für Kinder ab 12 Jahren empfehlenswert, da er nicht brutal ist. Vergleichbar wie bereits von der Autorin selbst erwähnt mit "Jessica Fletcher" in "Mord ist ihr Hobby" oder ähnlichen Filmen.
Das Buch ist durchaus lesenswert, aber für mich, die gerne Thriller oder brutalere Krimis liest dann doch ein wenig langweilig.

Samstag, 13. September 2025

Der Absturz [Rezensionsexemplar]

"Der Absturz" vom französischem Autor Edouard Louis ist mein bisher drittes Buch von ihm. Nachdem bereits "Das Ende von Eddy" und "Anleitung ein anderer zu werden" mich sehr in ihren Bann gezogen haben, war dieser dritte Teil nun eigentlich schon fast Pflichtlektüre und ich wurde nicht enttäuscht.

Gewohnt emotional erzählt Louis hier diesmal vom Leben und Tod seines großen Bruders, den er nie wirklich geliebt hat. Er war Alkoholabhängig, nahm Drogen und behandelte Frauen, Tiere und Homosexuelle schlecht. Zeitlebens fühlte er sich von seinen Eltern im Stich gelassen und vernachlässigt, sehnte sich nach der Liebe eines Vaters und wollte seine großen Träume verwirklichen. Doch niemand unterstützte ihn dabei oder interessierte sich für ihn, weshalb die Spirale aus Sucht und Wut sich immer weiter ausbreitete. 
Louis versucht hier eine Antwort darauf zu finden, wer sein Bruder wirklich war und wie er zu dem Menschen geworden ist, den er zu kennen glaubte.
In kleinen Anekdoten aus seiner Kindheit und Erzählungen von Freunden und Familie erfahren wir mehr und mehr über ihn und können uns unser eigenes Bild machen. Sehr interessant fand ich die Tatsache, dass jeder in der Familie anders um den Bruder trauerte und ihn anders wahrnahm. Ein wirklich packender und berührender Einblick in das Leben eines verzweifelten Mannes, den ich jedem nur ans Herz legen kann. 
        

Donnerstag, 28. August 2025

Öffnet sich der Himmel [Rezensionsexemplar]

  James ist 16, hat einen 5-jährigen Bruder namens Eddie, der unter Krampfanfällen leidet und fühlt sich in seinem Heimatdorf Thornmere gefangen. Eines Morgens trifft er auf seiner täglichen Milchrunde den 1 Jahr älteren James, der von seinen verkrachten Eltern aufs Land geschickt wurde.
Seine Mutter hat einen neuen Liebhaber in Italien gefunden, während sein Vater im Knast sitzt. Schnell verliebt sich James Hals über Kopf in den schönen Luke, aber er weiß, dass dieser nicht für immer in Thornmere bleiben wird. Und beruhen seine Gefühle überhaupt auf Gegenseitigkeit?

Dieses Buch lässt sich meiner Meinung nach sehr schwer in Worte fassen. Es hat mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen und das liegt nicht nur an Seán Hewitts unglaublich poetischen und emotionalen Schreibstil, sondern hauptsächlich an den Hauptcharakteren James und Luke, deren gemeinsames Jahr mich zutiefst berührt hat. 
James wildes und unbändiges Begehren nach Luke war fast greifbar. Ich konnte mich sehr gut in seine Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste hineinversetzen und mich mit ihm identifizieren. Diese rein zufällige Begegnung mit Luke, die sein Leben für immer verändert hat, ihn blind und taub gemacht hat für jede Art von wahrer Liebe und einen Ort, den er Heimat nennen kann. Es waren die kleinen, stillen und verletzlichen Momente, das Zeigen von Schwäche, die James so menschlich und nahbar gemacht haben. Selten hat es ein Protagonist geschafft, mich so sehr zu Tränen zu rühren und sich so fest in meinem Herzen zu verankern. Hewitts tragischen Helden werde ich nie vergessen. 
        

Samstag, 16. August 2025

Einfach Literatur [Rezensionsexemplar]

Von Klaus Willbrand habe ich zum ersten Mal tatsächlich auf Instagram erfahren. Beim Browsen bin ich vor ca. einem Jahr auf den Account seines Antiquariats gestoßen und habe mir mit großem Interesse alle seine Videos auf dem Kanal angesehen. Ich war so begeistert davon, was er und Daria Razumovych da auf die Beine gestellt haben und wie viel Wissen, Sympathie und Liebe zur Literatur hier ausgestrahlt wurde. Das hat mich sofort in den Bann gezogen.
Umso trauriger war ich dann im Januar, als ich von seinem Tod erfahren habe. Deswegen war von vornherein klar für mich, dass dieses Buch hier einfach zur Pflichtlektüre gehören muss und ich wurde nicht enttäuscht.
Nicht nur Klaus' Lebensgeschichte von der Kindheit an und sein beruflicher Werdegang bis hin zur Gegenwart, sondern auch die vielen hochinteressanten Begegnungen mit den verschiedensten Autoren, Verlegern und Politikern waren wirklich spannend und informativ.
Viele der von ihm vorgestellten deutsch-, englisch- und französischsprachigen Autoren und Autorinnen sind wohl den meisten Bücherfreunden zumindest ein Begriff, aber man findet durchaus auch unbekanntere Schätze. Seine Erzählungen regen unwahrscheinlich zum Lesen an und man will sich eigentlich sofort auf seinen nächsten Brinkmann oder Proust stürzen. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, dass ich mir Notizen zu Autoren oder Werken gemacht habe, mit denen ich mich nach Klaus' Buch weiter beschäftigen wollte. Seine Leseliste am Ende werde ich definitiv im Auge behalten. Herzlichen Dank an Klaus und Daria dafür, dass ihr den Menschen in der heutigen chaotischen und unkultivierten Zeit das Lesen wieder etwas näher bringt. 
        

Dienstag, 12. August 2025

ASA [Rezensionsexemplar]

Asa wächst in der Ortschaft Thule auf. Im Alter von 8/9 Jahren streift sie mit ihrem Vater durch die Wälder, wo er ihr alles beibringt, was man zum Überleben braucht. Er bereitet sie auf eine Prüfung vor, lässt Asa aber im Unklaren darüber warum. Doch nicht nur diese Prüfung muss sie bestehen, das Leben hält noch viele Intrigen und Überraschungen für sie bereit. 
In Rückblenden erfährt man, wie Asas Urahnen lebten und was es mit dem Ursprung der Prüfungen auf sich hat. 

Ich fand das Buch wirklich bis zum Ende hin sehr spannend. Die ersten 100-150 Seiten sind etwas gewöhnungsbedürftig, aber wenn man dann mal mit den Charakteren und der Welt vertraut ist, lesen sich die 700 Seiten wie von selbst. Es hat mich ein wenig an "Die Tribute von Panem" erinnert. Asa versucht immer human zu bleiben, doch wird immer wieder genötigt von der Beute zum Jäger zu werden.
Der Urgedanke der Prüfungen ist durchaus nachvollziehbar, doch was schlussendlich daraus geworden ist und was es aus den Personen gemacht hat, die die Prüfung bestanden haben, macht den Roman zu einem Thriller. Eine düstere Familiensaga, die meines Erachtens die 5 Sterne mehr als verdient hat. 


        

Montag, 4. August 2025

Deckname BIRD [Rezensionsexemplar]

In Louise Doughty's "BIRD" geht es um eine Agentin Namens Heather Berriman, die Hals über Kopf aus ihrem alten Leben flüchten muss. Jemand hat versucht ihr etwas anzuhängen und sie weiß deshalb nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen kann. Da sie als Geheimagentin immer mit sowas rechnen muss, hat sie ihre Flucht schon geplant und einen Koffer mit gefälschten Papieren und Kleidung versteckt, um bei Bedarf in verschiedene Rollen zu schlüpfen. 

Der Anfang des Buches ist wirklich spannend. Danach wird in Rückblenden über Heathers Leben als Kind und über die Zeit bevor sie zur Spionin wurde erzählt. Dies wiederum fand ich persönlich für viel zu langatmig. Die Spannung ging komplett verloren und auch das Ende hatte ich mir anders vorgestellt. So blieb der Thriller, den man eigentlich nicht als solchen bezeichnen kann, leider weit hinter meinen ursprünglichen Erwartungen zurück. 
        

Freitag, 1. August 2025

Immerland - Die Stadt der Ewigkeit [Rezensionsexemplar]

Mika ist fast 13 und in der Schule ein Außenseiter. Als er die Sommerferien bei seiner Oma auf dem Land verbringen soll, fernab von Konsolen und Handyempfang, ist er nicht gerade begeistert. Schnell jedoch werden die ereignislosen Tage durch mehr Action ersetzt, als Mika lieb ist. Seine Oma hat einen Unfall und als er versucht sie zu retten, landet er in einer fremden, surrealen Welt. Hier erfüllen sich Wünsche, alles scheint möglich und Mika findet sogar drei neue Freunde. Allerdings trügt der Schein und die Rückkehr in seine Welt stellt sich als schwieriger heraus als gedacht.

Das Cover und die schönen Illustrationen in dem Buch machen die ganze Geschichte greifbarer, was mir sehr gefallen hat. Allerdings muss ich sagen, dass mich die Handlung nicht wirklich abgeholt hat. Anfangs hatte es noch Potenzial, aber spätestens als Mika in der Immerwelt landet ist alles nur noch bunt zusammengewürfeltes Chaos ohne jegliche Bedeutung und ohne Ziel. Die Charaktere sind ziemlich eindimensional und selbst die durchaus interessanten Themen wie Zukunftsängste, Unsterblichkeit, Erwachsenwerden und Ängste werden nur sehr kurz angedeutet und nicht weiter vertieft oder ausgeschmückt, was durchaus schade ist, auch wenn es eher für ein jüngeres Publikum gedacht ist. Zum Ende hin habe ich mich nur noch durchgequält und gelangweilt. Allerdings mag es für Kinder durchaus seinen Reiz haben, daher 3 Sterne von mir. 
        

Donnerstag, 10. Juli 2025

Die Geschichte des Klangs [Rezensionsexemplar]

"Die Geschichte des Klangs" von Ben Shattuck besteht aus 2 Kurzgeschichten. Die erste handelt von Lionel und David, 2 jungen Musikern, die sich 1916 das erste Mal begegnen und lieben lernen. Die zweite erzählt von Annie und Henry, die sich scheinbar nur zufällig nach Jahren wieder finden und heiraten.

Was die beiden Geschichten verbindet, ist wohl die Überlegung, wie anders das Leben von Lionel und Annie verlaufen wäre, wenn sie sich an einem bestimmten Punkt anders entschieden und anders gehandelt hätten. Es schwingt immer eine Art Sehnsucht mit, die in überaus poesievollen und emotionalen Sätzen zur Geltung kommt. Die Geschichten der beiden Leben, so kurz sie auch waren, haben mich zutiefst berührt, da ich mich in die Protagonisten sehr gut hineinversetzen konnte. Auch ich fühle mich oft verloren, wie an einem Scheidepunkt und weiß nicht recht wohin mit meinen Gedanken und Gefühlen. Shattuck schafft es auf ganz unaufgeregte Art und Weise die beiden Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen und eine Geschichte zu kreiren, die noch lange nachhallt. Ein Muss für jeden, der ruhige und gefühlvolle Erzählungen über verpasste Chancen mag.

In der amerikanischen Originalversion des Buches sind 12 statt 2 Geschichten enthalten. Wieso wir hier nur eine verkürzte Version vorgesetzt bekommen, ist mir unklar. Allerdings wird mich das nicht davon abhalten auch den Rest davon zu lesen. Auch ein Film mit dem Titel "The History of Sound" ist vor 2 Monaten erschienen und ich kann es kaum erwarten ihn zu sehen.

        

Sonntag, 6. Juli 2025

Mörderisch verstrickt [Rezensionsexemplar]

In "Mörderisch verstrickt" von Susanne Oswald treffen sich 3 Frauen und ein Mann immer Donnerstags zum gemeinsamen Stricken.
Die unterschiedlichen Charaktere werden einzeln vorgestellt. Mette, die einen Strickladen hat, Brunhilde die Friseurin, Anne die Postbotin und Gustavsen der Bootsverleiher. Das kleine Örtchen Lüttjekoog an der Nordseeküste wird als sehr idyllisch beschrieben. Eigentlich ein schönes ruhiges Fleckchen, wenn da nicht etwas im Watt gefunden worden wäre und ein Überfall und ein Mord die Stimmung trüben würden.

An und für sich ist dieser Roman durchaus amüsant. Der Titel ist passend, das Cover schön gestaltet, aber hier gibt es was die Spannung angeht definitiv noch Luft nach oben. Es ist nicht direkt mit einem typischen Krimi zu vergleichen, eher eine Mischung aus Miss Marple und Eberhofer. Wer aber auf Wohlfühlatmosphäre in bekannter Umgebung steht, ist hier durchaus gut bedient.
        

Freitag, 13. Juni 2025

Holmes & Moriarty [Rezensionsexemplar]

In diesem fesselnden Roman vom britischen Autor Gareth Rubin, folgen wir Sherlock Holmes und Dr. Watson bei einem spektakulären Fall, der anfänglich noch relativ harmlos scheint, sich dann aber schnell zu einer großen globalen Gefahr entwickelt. Der berühmte Detektiv muss sich entgegen seines Willens mit dem berüchtigten Verbrecherboss Moriarty und dessen Kumpanen Moran zusammenschließen, um Schlimmeres zu verhindern. 

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Watson und Moran erzählt, die beide jeweils ihren eigenen "Erzählstil" haben. Sind die Kapitel des Arztes eher sachlich und überlegt, werden beim Colonel eher Kraftausdrücke und Jargon verwendet und sehr impulsiv gehandelt, was zumindest bei mir für den ein oder anderen Lacher gesorgt hat. Die beiden Genies Holmes und Moriarty im Zusammenspiel ihrer geistigen Kräfte zu erleben war sehr faszinierend. Ihr "gemeinsamer" Fall führt sie sogar von London über Paris bis in die Schweiz und auch der Szenenwechsel war sehr erfrischend. Tatsächlich ist es zeitweise etwas schwierig der doch verwirrenden Handlung zu folgen, doch spätestens bei der Auflösung am Ende macht es dann Klick. Spannend ist es von Anfang bis Ende, man fiebert und rätselt mit und fühlt sich in die Welt von Arthur Conan Doyle zurückversetzt. 

Ein Muss für jeden begeisterten Krimi-Fan! 
        

Freitag, 30. Mai 2025

Gestern waren wir unendlich [Rezensionsexemplar]

"Gestern waren wir unendlich" von Dominik Gaida ist ein überaus emotionaler Roman, der mich oft zu Tränen gerührt hat.

Als Henry eines Tages einem weinenden Jungen begegnet und ihn kurzerhand darauf anspricht, entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung. Louis, der in seinem Leben schon sehr viele Schicksalsschläge ertragen musste, fühlt sich bei Henry geborgen und verstanden. Bis zum Tag der Familienfeier, als die beiden einen schweren Autounfall haben, bei dem Henry sein Leben verliert. Doch als Louis am nächsten Tag die Augen öffnet, ist sein Freund wieder da und er erlebt den Tag der Feier aufs Neue. Kann er die Chance nutzen um Henry diesmal vor dem Unfall zu bewahren?

Abwechselnd aus Louis' und aus Henrys Sicht erfahren wir mehr über die Anfänge ihrer Beziehung bis hin zum heutigen Tag und wir lernen die Jungen kennen und lieben. Das macht es dem Leser natürlich umso schwerer die Tragödie, die sich Tag für Tag neu ereignet zu verkraften. Wie Louis in seiner unausweichlichen Lage, fühlen auch wir uns beim Lesen zunehmend verzweifelter und deprimierter. Ihr Schicksal macht uns betroffen, was nicht zuletzt an Dominik Gaida's zarter und einfühlsamer Schreibweise liegt. Obwohl viele Teile der Handlung sich wiederholen, wird es nie langweilig, weil man eben so mit Louis mitleidet und -fiebert. Das Ende finde ich persönlich gut gewählt und auch wenn einige es vielleicht nicht als Happy End bezeichnen würden, finde ich es einen gelungenen und zufriedenstellenden Abschluss, der mit einer Erkenntnis einhergeht, die sich viel mehr Menschen zu Herzen nehmen sollten.
Der Epilog lässt bereits Einblicke auf den zweiten Teil zu, den ich mir auch bereits vorbestellt habe und auf den ich mich unglaublich freue.

       

Dienstag, 6. Mai 2025

Cinema Love [Rezensionsexemplar]

"Cinema Love" ist der Debutroman des chinesisch-amerikanischen Schriftstellers Jiaming Tang, der durch gnadenlose Ehrlichkeit und große Emotionen überzeugt.

Ein Arbeiterkino in der chinesischen Provinz Fuzhou ist Zufluchtsort für viele homosexuelle Männer, die ihre Liebe im Verborgenen ausleben müssen.
So auch für Shun-Er und Old Second. Als jedoch die Ehefrau von Shun-Er davon erfährt, trifft sie eine verhängnisvolle Entscheidung, die nicht nur ihr Leben komplett aus den Angeln wirft. Old Second und seine Frau finden sich daraufhin in Amerika wieder, wo sie als Einwanderer Unsicherheit und Strapazen erwarten.

Dieses Buch war wirklich sehr berührend, da ich mich sehr gut in die verschiedenen Protagonisten hineinversetzen konnte. Hier haben wir zum einen die Männer, die ihre wahre Identität nicht frei ausleben dürfen und von anderen dafür schikaniert werden wen sie lieben, aber auch die Ehefrauen, die natürlich nicht wahrhaben wollen, dass ihre Männer sie mit anderen Männern betrügen. Die Schicksale beider Parteien gingen mir sehr nah.
Einzig und allein die etwas holprige Übersetzung, die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit und die ungewöhnlichen Namen machten es mir teilweise schwer in die Story zu finden und dem Lesefluss zu folgen.
Allerdings hat das an der Bedeutung der Handlung ja nichts geändert und ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass Jiaming Tang ein hervorragendes Debut gelungen ist, dass absolut lesenswert ist.
       

Donnerstag, 3. April 2025

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen [Rezensionsexemplar]

"Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" von der japanischen Autorin Ito Ogawa ist ein poesivolles, anmutiges und emotionales Kleinod, ganz wie von fernöstlicher Literatur gewöhnt.

Wir folgen der 25-jährigen öffentlichen Schreiberin Hatoko, die nach dem Tod ihrer Großmutter und Vorgängerin den Schreibwarenladen der Familie in ihrem Heimatdorf Kamakura übernommen hat. Fortan nimmt sie diverse Auftragsarbeiten an und hilft ihren Kunden beim Schreiben von Bewerbungen, Liebesbriefen, Beleidsbekundungen, Neujahrskarten und vielem mehr. Dadurch lernen wir, dass es nicht nur auf die richtige Wortwahl, sondern je nach Anlass auch auf das Briefpapier, die Tinte, die Briefmarke und auch den Umschlag ankommt, um das gewünschte Resultat zu erzielen oder die gewünschten Emotionen zu überbringen.

Das Besondere an diesem Buch sind für mich die Begegnungen mit den verschiedenen Kunden, die alle ihre ganz eigenen Gründe haben Hatoko aufzusuchen. Es macht unglaublich viel Freude zu lesen, wie sorgfältig und gewissenhaft jeder Auftrag ausgeführt wird und wie sehr Hatoko sich dabei in Sender und Empfänger hineinversetzt. Mit welcher Hingabe sie es schafft, dass die Schriftstücke nach Vollendigung so aussehen, als wären sie vom Kunden selbst geschrieben worden und wie viel Zeit und Gedanken sie dafür aufwendet. Das die Briefe nicht nur auf Deutsch übersetzt sondern auch im japanischem Original zu finden sind, macht das Ganze nochmal ein Stück authentischer und interessanter.
Ein absolutes Wohlfühlbuch, dass mit seiner ruhigen Art besticht. Im Laufe der vier Jahreszeiten lernt Hatoko so viele neue Leute und auch Freunde kennen und am Ende lernt sie wohl auch ein Stück mehr über ihre Vergangenheit und ihre eigene Rolle im Leben kennen.
Der Schluss hat mich zu Tränen gerührt. Ich kann diesen Roman nur jedem ans Herz legen, der gerne über zwischenmenschliche Beziehungen und Kunst liest.

Freitag, 14. März 2025

Die Spurenfinder und das Drachenzepter [Rezensionsexemplar]

Nicht lange nachdem Elos von Bergen und seine Kinder Ada und Naru einen Mord in ihrem Heimatdorf Friedhofen geklärt haben, wartet auch schon der nächste Fall auf die Spurenfinder. Der König von Iriandria bittet um Hilfe bei der Wiederbeschaffung des wertvollen Drachenzepters, dass von einem unbekannten Täter gestohlen wurde. Als die drei in der Hauptstadt eintreffen, warten dort schon andere Spurenfinder und jede Menge Ärger.

Was für eine überaus gelungene Fortsetzung, die Marc-Uwe Kling hier zusammen mit seinen (mittlerweile 3) Töchtern geschaffen hat. Wie auch im ersten Band erwartet den Leser eine Mischung aus Krimi und Humor und beides so clever und unglaublich gut kombiniert, dass man es gar nicht aus der Hand legen will. Der Fall ist wieder sehr spannend, gespickt mit Action und unvorhergesehenen Wendungen und wir begegnen sowohl neuen Charakteren als auch alten Freunden. Es macht so viel Spaß wieder mit Elos und seinen Kindern auf Spurensuche zu gehen und noch mehr über die Welt und ihre Magie und Politik zu erfahren. Man fiebert und rätselt ganz automatisch mit und hofft auf eine baldige Fortsetzung, noch bevor man das Buch beendet hat.
Definitiv nicht nur für jüngere Leser geeignet. Auch Erwachsene werden hier bestens unterhalten. Die wunderschönen detailreichen Zeichnungen sind ein weiteres Highlight.

Montag, 10. März 2025

Die Magnolienkatzen [Rezensionsexemplar]

"Auch wenn der Tag einmal kommen würde, an dem es hieße, Abschied zu nehmen, und sich vor lauter Tränen die Welt vor meinen Augen trüben würde; auch wenn ein kalter Wind durch das klaffende Loch in meinem Herzen wehen würde, das sich nie wieder schließen ließe... ich konnte nicht umhin, sie zu lieben."

Als Noriko und ihre Mutter eines Tages einen Wurf Kätzchen und die Katzenmama in ihrem Garten finden, sind sie gezwungen diese erst einmal bei sich aufzunehmen, da sich niemand in der Nachbarschaft oder im Tierheim um die Tiere kümmern kann oder will. Eigentlich sind sie "Hundemenschen" und haben mit Katzen nicht viel am Hut, doch je länger die beiden Frauen sich um die tapsigen Mitbewohner kümmern, desto mehr erfahren sie, was es heißt wirklich glücklich zu sein.

In diesem wunderschönen Buch der japanischen Autorin Noriko Morishita, wird einfühlsam, unaufgeregt und poetisch von dem Zusammenleben mit Katzen erzählt. Sich hingebungsvoll um die Vierbeiner zu kümmern, nach und nach ihre Eigenheiten, ihre unterschiedlichen Charakterzüge und Verhaltensweisen zu studieren, sich voll und ganz den Tierchen anzupassen und zu einer Einheit zu werden. Das ist wohl etwas, mit dem sich jeder Katzenbesitzer bestens identifizieren kann. Besonders spannend fand ich die Reaktionen aus dem Umfeld von Noriko auf die Katzen und wie schnell die Frauen sich an diese gewöhnt und sie in ihr Herz geschlossen haben. Es braucht wirklich nicht viel.
Ich habe mich oft dabei ertappt, wie ich beim Lesen an meinen eigenen Kater gedacht habe und daher vieles noch einmal in einem anderen Licht betrachten konnte.
Ein Roman, den ich nicht nur Katzenliebhabern empfehlen würde, sondern auch allen denen, die es werden wollen.

"Von Lebewesen umgeben zu sein, die man ins Herz geschlossen hatte, schien uns Menschen auf ganz natürliche Weise ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Und sobald man von sich selbst aus lächelte, lachte das Leben zurück."
       

Dienstag, 18. Februar 2025

Death in Brachstedt [Rezensionsexemplar]

"Das Leben ist eine Reihe von Katastrophen mit nur kleinen Breaks der Glückseligkeit"

"Death in Brachstedt" ist der Debütroman von Tobias Wagner, der dieses Jahr mit dem Peter-Härtling-Preis ausgezeichnet wurde.

Die Geschichte dreht sich um den 15-jährigen Leo, der mit seinem an Demenz erkrankten Vater lebt. Als dieser plötzlich verschwindet, nutzt Leo die Gelegenheit, um mit seinem besten Freund Henri einen Kurzfilm namens "Death in Brachstedt" zu drehen. Die Dreharbeiten im heruntergekommen Hotel seines Onkels bieten eine Flucht aus der Realität, während Leo die drohende Katastrophe ignoriert.

Der Roman kombiniert gekonnt Tragik und Humor und schafft es trotz ernster Themen eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zwischen Leo und Henri, die beide an den Geschehnissen wachsen und dadurch geprägt werden. Die Charaktere sind glaubwürdig, unkonventionell und liebenswert. Auch die vielen Exkurse in die Film- und Musikszene, lassen jedes Fanherz höher schlagen.

Insgesamt ist dieses Buch eine berührende und unterhaltsame Coming-of-Age Geschichte, die sowohl Jugendliche als auch Erwachsene anspricht. Themen wie Freundschaft, Verlust und der Übergang ins Erwachsenenalter werden authentisch und fesselnd dargestellt.
       

Sonntag, 16. Februar 2025

Campion - Tödliches Erbe [Rezensionsexemplar]

Margery Allingham gilt als eine der großen britischen Kriminalautorinnen der "Goldenen Ära" des Detektivromans, neben Koryphäen wie Agatha Christie. In "Campion - Tödliches Erbe" von 1931 zeigt sie uns eindrucksvoll ihr Können.

Die britische Adelsfamilie Gyrth ist seit Jahrhunderten Hüter eines unschätzbar wertvollen Kelchs. Als sich ein raffinierter Verbrecherring daran macht, das Artfefakt zu stehlen, wird Albert Campion zu Hilfe gerufen. Gemeinsam mit dem jungen Val Gyrth, dem Erben der Familie, reist Campion nach Suffolk, wo sich bald herausstellt, dass die Bedrohung größer ist als gedacht. Während mysteriöse Vorfälle die Familie heimsuchen, muss Campion all sein Geschick aufbieten, um den Kelch zu schützen.

Albert Campion zeigt sich hier als fähiger Ermittler. Er bleibt rätselhaft, scharfsinnig und charmant. Auch die Nebenfiguren, besonders der junge Val Gyrth und die exzentrischen Mitglieder der Gyrth-Familie sind lebendig und detailreich gezeichnet und sein treuer Diener Lugg sorgt für die richtige Mischung aus Humor und Leichtigkeit.

Alles in allem ist das Buch überaus spannend, atmospärisch und bestens geeignet für alle Fans von klassischen britischen Kriminalromanen mit originellen Charakteren und einem Hauch von Abenteuer.
       

Montag, 3. Februar 2025

Seven Ways to Tell a Lie [Rezensionsexemplar]

"Seven Ways to Tell a Lie" vom erst 23 Jahre jungen Österreicher Colin Hadler ist ein unglaublich fesselnder und spannender Thriller, der von jeder Altersklasse gelesen werden kann. 

Wir folgen 7 Teenagern, die durch ein bestimmtes Ereignis miteinader verbunden sind. Nach und nach werden ihre dunkelsten Geheimnisse in verstörenden Deepfake Videos enthüllt, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Doch wer weiß davon und was ist sein Motiv? Während die ehemaligen Freunde alles daran setzen dem Täter auf die Schliche zu kommen, stellt sich einem unweigerlich die Frage, wie man wohl selbst in diese Situation reagieren würde und ob es auch in unserem Leben Dinge gibt, die wir sogar vor unseren besten Freunden oder unserer Familie geheim halten. 
Ebenso kann es durchaus als Kritik am Einsatz von künstlicher Intelligenz verstanden werden und der Leichtgläubigkeit und Sensationslust der Bevölkerung. 
Jeder der Charaktere wird durch seine vermeintlichen Fehler erst menschlich und es fällt daher nicht schwer sie alle in ihrer eigenen Art und Weise ins Herz zu schließen.

Selten stoße ich auf Bücher, die es einem so unfassbar schwer machen es aus der Hand zu legen wie dieses. Ich habe es in nur 2 Tagen regelrecht verschlungen und hätte da nicht noch die liebe Arbeit gerufen, hätte ich es mühelos in einem Sitting geschafft. Klare Kaufempfehlung für jeden Thriller Fan.